„Kultur lebendig halten“ – NISIBIN feierte den dritten Stifungstag in Gütersloh 

„Wirtschaft trägt Wissenschaft“ – dieses Motto, unter dem NISIBIN – die Stiftung für Aramäische Studien – am 07. Dezember 2013 feierlich in der „Skylobby“ am Theater in Gütersloh ihren dritten Stiftungstag unter der Schirmherrschaft des Landesvorsitzenden der CDU in NRW und stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU Armin Laschet beging, sucht nicht nur Freunde und Förderer in engem Gespräch zusammenzubringen und neue Förderer für die Stiftung zu gewinnen. An diesem Tag möchte die Stiftung ebenso über ihre Arbeit des letzten Jahres informieren und über neue Aufgaben und Projekte berichten.

Die Stiftung für Aramäische Studien, die ihre Arbeit vor vier Jahren mit dem Gründungsakt im Senatssaal der Ruhr-Universität Bochum aufgenommen hat, verfolgt eine Vision: Als Institution will sie einen Beitrag zur wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte, Sprache und Kultur der Aramäer leisten und diese Wissenschaften an Universitäten etablieren. So konnte im vergangenen Jahr unter der Leitung von Prof. Dr. Dorothea Weltecke am Fachbereich Geschichte und Soziologie an der Universität Konstanz eine Forschungsstelle für Aramäische Studien eingerichtet und hierdurch erfolgreich eine universitäre Verankerung aramäischer Studien realisiert werden.

In seiner Ansprache bedankte sich der Vorstandsvorsitzende Herr Martin Halef bei Frau Prof. Weltecke und der Universität Konstanz für die Ermöglichung dieses Projekts und stellte fest, dass „in Deutschland eine über 500-jährige Forschungstradition zur Sprache und Theologie der aramäischen Gemeinschaft besteht, wobei das Novum der Konstanzer Forschungsstelle darin besteht, dass diese in den Disziplinen der Geschichtswissenschaft und der Soziologie verankert ist und sich aus dieser säkularen Perspektive nun mit der Geschichte und Kultur dieser Gemeinschaft beschäftigt. Eine solche Erweiterung des Forschungsschwerpunkts“, so Halef weiter, „ist einzigartig in der weltweiten Wissenschaftslandschaft und erst recht einzigartig für uns Aramäer.“

In seinem Grußwort würdigte der Schirmherr des Stiftungstages Armin Laschet vor allem die historische Errungenschaft der Aramäer, die darin bestehe, als älteste christliche Kirche nach der Urkirche in Jerusalem das Christentum von ihrem Ursprungsort in Syrien in die Welt getragen zu haben. Er fügte hinzu, dass die hierdurch entstandene wertvolle kulturelle und religiöse Vielfalt des syrischen Christentums gegenwärtig jedoch genau an diesem Ort bedroht werde. Die Forschungsstelle, die sich der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart der Aramäer widmet, aber auch die Wahrung ihrer Geschichte und Traditionen in einer modernen Welt anstrebt, werde der Ort sein, so Laschet, an dem an das kulturelle Erbe der Aramäer angeknüpft und mit der Gegenwart vermittelt werden kann. Dies ermögliche es, die gegenwärtigen Konflikte im Nahen Osten – wie die aktuellen politischen und gewaltsamen Ereignisse in Syrien – in einer anderen Perspektive zu beleuchten.

Professor Dr. Mihran Dabag – Initiator der Stiftung und Direktor des Instituts für Diaspora- und Genozidforschung der Universität Bochum – betonte in seiner Ansprache eine weitere entscheidende Aufgabe, der sich die neu eingerichtete Forschungsstelle stellen müsse. Denn gerade vor dem Hintergrund der Erfahrungen in der Diaspora müsse es Aufgabe sein, die aramäische Gemeinschaft und ihre Stellung in der postmodernen, ja digitalen Welt zu verorten, um sich selbst definieren zu können. „Die Forschungsstelle“, so Dabag, „kann hierfür das Fundament bilden.“

In seiner Festrede verwies Prof. Dr. Dr. h. c. Martin Tamcke von der theologischen Fakultät der Universität Göttingen auf das Potential der Stiftung, das Erbe der syrisch-aramäischen Wissenschaftstradition an den deutschen Universitäten anzutreten. Mor Polycarpus Dr. Awgin Aydin erinnerte dabei an die wissenschaftlichen Leistungen der frühen syrischen Christen, die bis in die westliche Welt hinein wirkten. Die Forschungsstelle werde hier anknüpfen.

Der Stiftungstag, moderiert von Alfreda Eilo – Studentin an der Universität Zürich – sowie vom Filmemacher Daniel Yanik und musikalisch umrahmt durch Darbietungen von Geribe Barman und Yusuf Saliba, konnte erfolgreich mit der Zusage finanzieller Förderungen durch private Spender beendet werden. Dass der Weg zur Etablierung einer stabilen Institution zur Festigung und Förderung des lebendigen Wissens über aramäische Geschichte und Kultur viele Freunde braucht, verdeutlichte auch der dritte Stiftungstag in Gütersloh wieder eindringlich.

Die Stiftung für Aramäische Studien bedankt sich bei allen Gästen für die Teilnahme am Stiftungstag und die großzügigen Spenden, die einen entscheidenden Beitrag für die Weiterentwicklung und Verstetigung der Stiftungsarbeit leisten.