Erster Stiftungstag unter Schirmherrschaft des Hamburger Kultursenators Reinhard Stuth

Festredner Ralph Giordano entsetzt über den „kalten Völkermord“ an den Aramäern, dem „letzten Fetzen Menschheit“

Hamburg, 11. Dezember 2010

Am 11. Dezember 2010 feierte die Stiftung für Aramäische Studien ihren ersten Stiftungstag im Hamburger Alsterpavillon. Unter den zahlreichen Ehrengästen befanden sich neben dem Schirmherrn Reinhard Stuth, Senator für Kultur und Medien, und dem Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, David Erkalp, sowie den beiden syrisch-orthodoxen Bischöfen Mor Julius Dr. Hanna Aydin und Mor Polycarpos Augin Aydin auch der deutsche Publizist Dr. h.c. Ralph Giordano, der als „Symbolfigur für die Gerechtigkeit im Nachkriegsdeutschland“ vorgestellt wurde.

In seiner Festrede zog Ralph Giordano mit Detailwissen die Parallelitäten zwischen dem Holocaust, dem Völkermord an den Armeniern und dem von Politik und Wissenschaft unbekannten oder ignorierten Völkermord an den Aramäern. Er legte sein persönliches Interesse auch an der aramäischen jüngeren und jüngsten geschichtlichen Erfahrung der Vertreibung aus der uralten Heimat dar, die ebenso wie der Völkermord jedwede Beachtung vermissen lässt. Die aramäische Frage sei nie gestellt worden. Er selbst möchte sich nunmehr dieser Sache annehmen, die er als „kalten Völkermord“ bezeichnete. Er werde sich für die Aramäer, dem „letzten Fetzen Menschheit“ einsetzen. Die Stiftungsgründung begrüßte der Festredner als wichtigen Schritt für die Aufarbeitung der eigenen Geschichte. Zum Erhalt der Gemeinschaft bedürfe es „eigener Institutionen, die Wissenschaft und Bildung betreiben.“ Deshalb unterstütze er gerne die Arbeit der „Nisibin“.

An diesem ersten Stiftungstag der Stiftung für Aramäische Studien wurde die Goldene Medaille „Mor Ephrem der Syrer“ an Prof. Dr. Mihran Dabag verliehen. Seine Eminenz Mor Julius Dr. Hanna Aydin übergab diese in Vertretung des Patriarchen der Syrisch-Orthodoxen Kirche Mor Ignatius Zakai I. für das außerordentliche Engagement um den Aufbau eines Instituts für Aramäische Studien.

Der Abend um Ralph Giordanos emotionale Rede wurde von gefühlvoller Musik umrahmt. Der mehrfach preisgekrönte Saxophonist Koryun Asatryan bezauberte in Begleitung von Susanna Kadzhoyan am Flügel die begeisterten Gäste. Für aramäische Klänge sorgte Michael Afram.

Martin Halef, Vorstandsvorsitzender der Stiftung: „Als Stiftung im Deutschen Stifterverband, unter der Schirmherrschaft des Hamburger Senats und mit Ralph Giordano als Festredner sind wir nun endgültig Teil der deutschen Gesellschaft. Und als solcher wollen wir auch lebendiger Teil der deutschen Wissenschaft werden.“

Die Stiftung für Aramäische Studien bedankt sich bei allen Gästen für die Teilnahme am Stiftungstag und die großzügigen Spenden.

Die Stiftung für Aramäische Studien wurde im Oktober 2009 auf der feierlichen Gründungsgala im Spiegelsaal des Prinz-Carl Palais in Heidelberg gegründet und wird vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft verwaltet. Ziel der Stiftung ist der Aufbau eines wissenschaftlichen interdisziplinären Instituts für Aramäische Studien.